Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘swan Rezension’

Bild für "The Black Swan"Taleb weist in The Black Swan: The Impact of the Highly Improbable nicht nur einmal darauf hin, dass er das Gefühl hatte, es schreibe sich von selbst. Beim Lesen wird deutlich, dass er damit richtiger liegt, als er denkt.

Taleb präsentiert im Buch einige Grundideen, die er aus verschiedenen Perspektiven immer wieder aufgreift:

  • Viele Dinge sind nicht vorhersehbar, obwohl „Experten“ annehmen, sie wären bestimmbar. Aus eigener Erfahrung bezieht Taleb das vor allem auf die Finanzbranche.
  • Extreme Ausnahmeerscheinungen, die Black Swans, werden unterschätzt bzw. oft nicht berücksichtigt.
  • Die empirischen Forscher sind diejenigen, die es richtig machen. Kein sinnloses Theoretisieren, kein Formel-Aufstellen ohne praktische Anwendung. Taleb schafft sich eine idealisierte Version des aufgeklärten Menschen. Kritische (Selbst-)Reflektion: Fehlanzeige.

Um seine Thesen zu erklären, nutzt Taleb eigene Umdeutungen, mit denen er im weiteren Verlauf arbeitet.

Stellvertretend für alles, was ihm ein Dorn im Auge ist, steht die Gauss-Normalverteilung, die systemkritische Extreme nicht brauchbar abbildet und seiner Meinung nach zu oft missbräuchlich eingesetzt wird. Außerdem kritisiert er „platonisches Denken“ (platonicity), was er in etwa als unreflektiertes Anwenden von unzureichend belegten, starren Annahmen definiert.

Mit seinen Definitionen, vielen Anekdoten und kleineren Abhandlungen vertieft er seine Thesen. Einen wirklichen Abschluss hat das Buch nicht. Taleb unterteilt die letzten Abschnitte in Teile für den normalen und den technisch interessierten Leser, der etwas mehr über die Gauß-Normalverteilung und einige Randpunkte zu lesen bekommt.

Die fragwürdig benannten Kapitel (One Thousand and One Day, or How Not To Be a Sucker und schlimmer) sind mit kurzen Abschnitten gefüllt, die zwar meist aufeinander aufbauen, aber zu oft zwischen Anekdoten und zusammenhanglosen Themen wechseln. Viele Ansichten und Argumente werden ständig wiederholt und oft verweist Taleb auf Stellen im Buch, die für den Leser schon allein wegen des zerfaserten Aufbaus wenig nutzen.

Außerdem wechselt Taleb ständig zwischen einfacher, erklärender Sprache und respektlosem Gerede hin und her. Während er an einer Stelle eine mathematische Erklärung liefert, macht er sich an anderer Stelle über Theorien, die er für falsch hält, lustig. Wenn er etwas nicht schätzt, ist ein Wort, das mit „sh“ beginnt ( „Theory shmeory!“ ), nicht weit.

Eigentlich erwartet man von jemandem, dem die Relativität vieler konventioneller Ideen klar ist, Zurückhaltung und Demut. Stattdessen ersetzt Taleb seiner Meinung nach falsche Herangehensweisen auf überhebliche Weise mit seinen eigenen, ebenso hinterfragbaren Theorien.

Taleb steckt Leute außerdem gerne in Schubladen. Während seine übermenschlichen Helden (wie Poincaré und Mandelbrot) über Seiten mit Lob überschüttet werden, spart er nicht mit Spott für einzelne Personen und Gruppen aus der Wirtschaft und undifferenzierter Abwertung der Finanzwelt im Allgemeinen.

Taleb bietet an einigen Stellen praktische Ansätze für den Einzelnen, gesteht allerdings ein, dass eine skeptische Sichtweise, die vorrausschauend und unabhängig ist, im realen Leben praktisch kaum möglich und sogar nachteilig sein kann.

Wer Grundsätzliches über Unvorhersehbares wissen will und dabei die mangelnde Struktur und den teilweise unangemessenen Ton des Autors ignorieren kann, mag in The Black Swan ein paar neue Erkenntnisse sammeln können. Viele dürften spätestens ab der Mitte die Lust am Weiterlesen verlieren.

Das Buch ist bei amazon verfügbar .

Ausgehend von der fehlgeleiteten Annahme, schwarze Schwäne existierten nicht, weil man bisher keine gesehen hat. Man schließt etwas aus, obwohl man nicht über das nötige Gesamtwissen verfügt.

Advertisements

Read Full Post »